Aus dem Logbuch der  „SOLITAER“

 

Teil II der Reise von Ostfriesland zu Mittelmeer,

von St. Jean de Losne an der Saone bis nach Palvas am Mittelmeer.

Von Franz Schmidt (DTMV)

 

Am 4.Mai 2005 legen wir in St. Jean de Losne an der Saone ab, Richtung Süden.

 

Die besten Wünsche unserer DTMV- Clubkameraden und Freunde, Annette und Rene`

Buzio, begleiten uns. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander im vergangenen Winter.

Die Fahrt geht zunächst 215 km weit auf der Saone,

bis nach Lyon. Die Saone ist eine Nummer breiter

als die Mosel, aber sonst vergleichbar. Sie fließt im

Sommer breit und gemächlich dahin,mit 1 – 3 km

Strömung. Berge und Hügel wechseln sich ab mit

waldreichen Gegenden.   Das Gefälle ist nicht sehr

groß.  Auf den vor uns liegenden 215 km gibt es

5 große Schleusen  (185 x 12m), mit Hubhöhen

zwischen 2.5 und 5 m. Die Fahrrinne ist gut mit Dalben

und Tonnen gekennzeichnet. Man muß sich jedoch

konsequent daran halten, weil es Bauwerke und

Leitdämme unter Wasser gibt und die Ufer oft flach

und stark verkrautet sind. Näheres kann man dem

Kartenmaterial entnehmen, das bei allen

Bootsausrüstern erhältlich ist.

 

Zahlreiche Charterboote sind in diesem herrlichen Revier unterwegs. Viele Städte und

Gemeinden haben für Bootstouristen Anlegepontons ausgelegt, zum Teil kostenlos, mit

Strom- und Wasseranschlüssen. Für uns sind diese Anleger nicht geeignet, weil

überwiegend aus Aluminium gebaut und beschränkt auf Boote, die kleiner als 15 m und

leichter als 20 Tonnen sind. Wir haben trotzdem genug  Festmachemöglichkeiten an

Stadtmauern u.ä. gefunden.

 

 

Am 7.05. sind wir auf dem Weg nach Tournus. Die Schleuse Ormes liegt vor uns.

Marita versucht über  Funk eine Kontaktaufnahme  in deutsch und englisch.

Keine Antwort. Erst als sie ihren auswendig  gelernten  Spruch auf französisch wiederholt:

 “ Je vodrais  ecluser avalon  sil vous plait  “,  ( ich möchte  zu Tal schleusen bitte ), kommt

eine knappe Antwort : “  Dix Minute  “.   (in 10 Minuten).

Na bitte, geht doch!   Alles Weitere ist Routine.

 

 

In Tournus gibt es eine lange Mauer zum Anlegen, die bei unserem Eintreffen aber wegen

Hochwasser 10 cm unter Wasser liegt. Es schließt sich ein 70 m langer Alu-Steiger an , mit

Strom und Trinkwasser, der aber für Boote unter 15m Länge gedacht ist.  Erst nach dem

Anlegen entdecken wir ein entsprechendes Schildchen (20 x 30 cm). Da aber Platz genug

 ist und keine Alternative besteht, bleiben wir liegen und warten darauf, was passiert.

Da kommt auch schon eine eher betagte  (deutsche!!) Bootsfrau mit erhobenem

Zeigefinger angelaufen und lamentiert:“ Sie dürfen hier nicht anlegen...... und wenn sie

nicht......dann bekommen sie große Schwierigkeiten“. Irgendwann wird es mir zu blöd und

als ich sie nach ihrer Zuständigkeit frage, klettert sie wütend auf ihr Boot zurück.

Tournus ist ein sehr schönes Städtchen mit alten Gebäuden und engen Gassen.  Nach den anfänglichen Blödeleien, haben wir einen angenehmen Aufenthalt ohne  Probleme.

 

Als nächstes fahren wir nach Macon. Die Anlegemöglichkeiten sind zur Zeit sehr

beschränkt, weil große Umbaumaßnahmen im Gange sind. Hier, wie an anderen Städten

auch, werden Anlegestellen für große Hotelschiffe gebaut. Man hat wohl die Hoffnung,

daß diese Schiffe, mit hunderten von Leuten, mehr Geld in die Städte bringen als ein paar

private Yachten oder Charterboote. Nach unseren Beobachtungen ist es jedoch vielmehr

so, daß Besatzungen von kleinen Schiffen  die Restaurants aufsuchen und  die Fahrgäste

auf Hotelschiffen an Bord verpflegt werden. Macon hat eine schöne Altstadt.

Etwas außerhalb, Richtung Lyon  (und mit dem Fahrrad erreichbar), gibt es ein

Industriegebiet mit Super- und Baumarkt. Ansonsten sind sakrale Baudenkmäler,

schöne Parkanlagen und eine uralte Brücke über die Saone zu bewundern.

 

 

Danach erreichen wir Trevoux, ein schönes

Städtchen  an einem Berghang. 

Von ganz oben hat man einen tollen

Rundblick.

 

Gold und Silber wurden hier einst verarbeitet,

was Reichtum und Großbürgertum

mit sich brachte.

 

Ein  öffentliches Freibad an der Saone,

ist ca. 200 m  vom Liegeplatz entfernt.

Uns gefällt`s  hier.

 

Wir machen an einem neuen, 50 Mtr. langen

Alu - Steiger fest,

mit Strom und Trinkwasseranschluss. 

 

Drei Tage darf man hier kostenlos liegen.

Sonst gibt es keinerlei Einschränkungen.

 

Am 17.05. sind wir unterwegs nach Lyon, dem Tor zum Mittelmeer.  An beiden Ufern

stellen wir schwere Hochwasserschäden fest. Schwemmgut hängt 7m hoch in den

Bäumen. So hoch kann das Wasser im Winter  steigen.  Ab und zu sieht man  ein Auto-

oder  Wohnwagendach in Ufernähe aus dem Wasser  ragen.  Ein Hinweis darauf, daß

man  ohne genaue Kenntnis der örtlichen Verhältnisse , nur  in den „friedlichen“

Sommermonaten hier verkehren sollte.   In Lyon suchen wir eine sichere

Anlegemöglichkeit. Allenthalben hört man von Diebstählen und Sachbeschädigungen.

Lyon ist eine Großstadt mit 1.3 Millionen Einwohnern.  Es gibt nichts was es nicht gibt.

Die Kulisse ist gewaltig.  Wir gehen bei der Peniche   „ Raymond “  auf die Seite, als 3.

Schiff. Der Eigner  ist etwas mürrisch, seine Frau aber überaus freundlich und hilfsbereit.

Nach 3 Tagen haben wir genug vom Lärm und Geruch der Großstadt.  Wir bedanken uns

bei unseren Gastgebern mit ein paar kleinen Geschenken und fahren weiter.

Zunächst am Lyoner Straßenstrich vorbei.  Auf einem verlassenen Fabrikgelände stehen

mindestens 50 Kleintransporter im Abstand von 10 m nebeneinander.  Ein ordentliches Bild

auf dem ansonsten verwüsteten Gelände.  Ich kann mir erst keinen Reim darauf machen,

bis ich dann weiße, braune und gelbe Mädels in aufreizender Kleidung herumlaufen sehe.

Da fällt bei mir der Groschen.

 

 

500 m weiter mündet die Saone dann in die Rhone , die hier etwa 200 –300 m breit ist.

Die 1. Rhoneschleuse zeigt grünes Licht als wir ankommen und schnell sind wir im

abführenden Schleusenkanal.15 km ist er lang undführt durch stinkende Industriegebiete.

Als wir wieder in die breite Rhone einbiegen, wird der Wind immer stärker und bläst

gegenan. Es bauen sich Wellen mit weißen Kämmen auf. Gischt fliegt über den 3 m hohen

Bug der Solitaer. Wir beschließen, in Vienne anzulegen. Unterhalb der alten Hängebrücke

ist ein stabiler Steiger vorhanden, den wir dankbar annehmen. Doch wir sind vom Regen

in die Traufe gekommen.  2 Tage lang schaukeln wir so heftig, daß wir unsere Schränke

sichern müssen, damit das Porzellan nicht herausfällt. Bergwind der Stärke 7 – 8 erzeugt

auf dem 10m tiefen Wasser der Rhone eine Wellenhöhe, die wir auf dem Rhein noch nicht

erlebt haben. Dazu kommt noch der Sog und Wellenschlag vorbeifahrender

Großschifffahrt und letztlich senkrechte Mauern und Uferbefestigungen auf beiden Seiten

der Rhone, die dafür sorgen, daß sich das Wasser nicht beruhigt. Tagsüber gehen wir von

Bord, nachts schlafen wir schlecht. Am 3.Tag reichts. Wir fahren weiter.

Schade eigentlich. Das Städtchen ist wirklich sehenswert und hat neben einem großen

Museum, ein Amphitheater mit herrlichem Weitblick über die Rhone, sowie alle

Einkaufsmöglichkeiten.

 

 

Auf einer breiten Rhone, die um diese Jahreszeit gemächlich dahin fließt, fahren wir

Richtung St. Vallier, Rhone km 78.   2 Schleusen passieren wir dabei. Die Poller liegen ca.

30 m auseinander. Vorne machen wir normal fest, achtern brauchen wir eine lange Leine.

Es gibt keine Probleme. Alle 12 Schleusen auf der Rhone, die zwischen 7 und 25 m

Hubhöhe haben, sind mit Schwimmpollern ausgerüstet und 195 x12m groß.

Sowohl im Ober- als auch im Unterwasser sind Anlegepontons für Sportboote vorhanden,

die auf die Schleusung warten.  Bei Mistral oder sonstigen Schwierigkeiten, so unsere

Erfahrung, darf man aber auch dort liegen und wird nicht weggeschickt. 

 

 

 

Das Tragen von Schwimmwesten beim Schleusen

ist obligatorisch.

    

Wir haben es erlebt, das eine bierseelige 

Mannschaft auf einem Charterboot  das  Anlegen

der Schwimmwesten schlicht vergessen hatte.

Nach dreimaliger vergeblicher Aufforderung über

Lautsprecher (auf französisch), die Westen

anzuziehen, öffnete der Schleusenmeister ein

Fenster in seinem Turm und schwenkte für alle

sichtbar eine rote Schwimmweste hin und her.

 

Auch die Nichtfranzosen verstanden sofort und

legten die Westen an.

 

Danach wurde geschleust.

 

 

In St. Vallier angekommen, legen wir an einer alten Verladestelle mit einer gammeligen

Spundwand an.   Mit den Fahrrädern erkunden wir das Städtchen und finden einen

Supermarkt und zwei Baumärkte, sowie einige Gaststätten und Banken.

Das Panorama rund um den Liegeplatz ist schön . Wir stellen aber fest, daß unaufhörlich

Gasblasen  im Wasser aufsteigen. In der Nacht blubbert es deutlich hörbar unter dem

Schiff. Mit gemischten Gefühlen  machen wir uns anderntags so schnell wie möglich von

dannen. Das von uns vermutete Faulgas ist sicher nicht gesundheitsfördernd.

Wir haben an diesem Tag eine schöne Fahrt unter einem tiefblauen Himmel.

Die Temperaturen steigen  auf 25°C. Hinter den Hügelketten entlang der Rhone sehen wir

in der Ferne schneebedeckte Berggipfel. Ein wunderschönes Bild. Bei leicht steigendem

Wasserstand stellen wir eine Zunahme der Strömung auf 4 – 5 km/h fest.

In Talfahrt ist das kein Problem für uns. Nach flotter Fahrt kommen wir in Le Pouzin,

km 133, an. Ein trostloser Ort. An einer alten Verladestelle machen wir fest zum

Übernachten. In 50 m Entfernung rattern die ganze Nacht Güterzüge vorbei.

Am nächsten Morgen fahren wir rechtzeitig weiter. Die Sonne scheint wiederum von

einem wolkenlosen Himmel. Bis Mittag steigen die Temperaturen auf 27°C, aber auch der

Wind nimmt zu und steigert sich zum Mistral. Er kommt von achtern und schiebt uns auf

die nächste Schleuse zu. Berufsschifffahrt fährt aus und kommt uns im schmalen

Schleusenkanal entgegen. Es wird eng. Wenn ich bei dem Wind die Fahrt aus dem Schiff

nehme, läuft es sofort aus dem Ruder. Es geht zum Glück gut. Ich nehme  mir aber vor,

bei den nächsten Schleusen mehr Abstand zu halten, bis die Einfahrt frei ist.

 

 

              

Die Strömung nimmt nochmal zu, auf 5 – 6 km/h. Schließlich erreichen wir Viviers, km 166.

An einem öffentlichen Kai können wir kostenlos anlegen.  Der benachbarte Yachthafen ist

zu klein für uns. Wir wollen Post aus der Heimat nachschicken lassen und entsprechend

lange liegen bleiben. 9 Tage dauert es, bis die Post aus Deutschland da ist.

Am 2. Tag schon stelle ich fest, daß das Wasser um 40 cm gefallen ist.

Große Gesteinsbrocken sind im klaren Wasser unter dem Schiff zu erkennen.

Die Wassertiefe beträgt nur  noch 1.2 m. Wir legen ab und ankern 2 km entfernt in einem alten Rhonearm auf 2.5 m Wasser.  Nach wiederum 2 Tagen kommt Mistral auf.

Wir verlegen nochmal 2 km weiter und machen in dem verlassenen Zementhafen

 „Lafarge“ fest, wo wir windgeschützt liegen können. Der Mistral bläst mit 7 – 8 und

dauert 3 Tage. Erst als wir danach aus dem Hafen wegfahren,  fällt mir auf, daß dort auch

nur 1.2 m Wasser steht. Nicht auszudenken, wenn wir in dieser gottverlassenen Gegend

trocken gefallen wären. Viviers hat einen  mittelalterlichen Stadtkern. Touristen aus aller

Welt werden per Bus und Schiff angekarrt und bestaunen das alte Gemäuer.

Am 3.6. fahren wir weiter, passieren die 4 km lange Engstelle von  Donzere, wo die Rhone

im Fels eingezwängt ist und bei Hochwasser bis zu 15 km/h schnell wird. Danach kommt

die Schleuse Bollene, die je nach Wasserstand einen Hub von 25 m haben kann. Bei km

218 biegen wir in einen alten Rhonearm ein und fahren ihn 5 km zu Berg, bis zum

Yachthafen „Port 2“, der von einer deutschen Gesellschaft betrieben wird. Einige

Dauerlieger sind deutschsprachig und wir sind froh, endlich mal wieder deutsche Töne zu

hören. Nach unserer Meinung ist „Port 2 „ der erste Hafen nach St. Jean de Losne, wo

man sein Schiff unbewacht liegen lassen kann, ohne Einbrüche oder Diebstähle

befürchten zu müssen.

 

 

Es fällt uns auf, daß die Vegetation sich verändert. Die Böden sind mangels Regen hart

und staubig. Unser Bordhund Tobi sucht vergebens nach einem Stückchen grünen Rasen,

wo er sich auf dem Rücken wälzen kann. Nur in den Städten sind die Grünflächen

gepflegt und bewässert und gedeihen dann auch prächtig im warmen Klima.

Am 7.6. legen wir schon früh vom „ Port 2 „ ab. Bei blauem Himmel, ohne jede Wolke,

bläst es mit 3 – 4 Windstärken, was ungewöhnlich ist.  Meistens geht es erst mittags los.

Innerhalb von 2 Stunden steigert sich der Wind zum Mistral und treibt uns mit 7 - 8

Windstärken zu Tal.  Bis zur nächsten Schleuse (Avignon), sind es noch 9 km und ich

befürchte, daß ich wieder Schwierigkeiten bekomme, wenn ich vor der Schleuse die Fahrt

aus dem Schiff nehmen muß und die Ruderwirkung nachläßt. 

Beim Städtchen Roquemaure, km 225, wollen

wir darum an einer Mauer anlegen, obwohl in

der Flußkarte ein Vermerk steht, daß man bei

Mistral dort möglichst nicht anlegen sollte.  

Die Solitaer ist eine Seetjalk mit einem 3 m

hohen Bug. Ich vertraue darauf, daß sie ein

paar Wellen auf einem Fluß abkann.

Wir drehen auf und machen mit dem Kopf zu

Berg gut fest.  Es kommt reichlich

Spritzwasser über.  Bei einem Freibord von

1.3 m laufen Wasserwalzen über die

Gangborde.  Die Fender zwischen Schiff und

Mauer werden immer wieder explosionsartig

nach oben herausgeschleudert. Nur die

eingesetzten Autoreifen schützen das Schiff

vor der Mauer.  Bis zum späten Nachmittag

beobachte ich die Situation und sichere  das

Schiff. Alle Luken sind dicht und alles was

wegfliegen kann ist angebunden. Persennige

und Planen sind abgenommen oder verzurrt,

weil sie sonst vom Wind zerfetzt würden.

Jetzt können wir nur noch abwarten und

hoffen, daß das Material hält. An Schlaf ist

nicht zu denken in der Nacht. Der Wind heult

un nunterbrochen, daß Schiff tanzt auf den

Wellen, wird immer wieder angehoben und  gegen die Wand geworfen. Jede Stunde

mache ich meine Runde und prüfe die

Schwachstellen.  Insbesondere Leinen und

Fender müssen halten und funktionieren,

sonst würde unser Schiff an der Wand

zerstört. 24 Stunden dauert der Mistral

diesmal. Er kann aber auch 3 Tage oder

länger dauern.

 

 

In  Avignon angekommen, legen wir an einer langen Mauer an und melden uns beim

Hafenmeister. Er will für 2 Tage Aufenthalt 60 Euro haben, gibt aber 25 % Rabatt, wenn

wir bereit sind, andere Schiffe auf die Seite zu nehmen. Wasser und Strom (6 Ampere)

sind im Preis enthalten. Wir besichtigen die „Brücke von Avignon“ und die ehemalige

Papststadt mit ihren gewaltigen sakralen Bauwerken. Nach 2 Tagen haben wir genug.

Es ist laut am Liegeplatz. Die stark befahrene Straße, die hier vorbei führt und die

stinkenden Abgase, lassen keinen angenehmen Aufenthalt zu.

Wir wollen wieder ins Grüne.

 

Die Rhone ist breit wie ein See unterhalb von Avignon und fließt gemächlich dahin.

Ein tiefblauer Himmel ohne jede Wolke,  25 – 30 °C und leichter Fahrtwind lassen

Hochstimmung aufkommen. Wir haben das mediterrane Klima erreicht und fühlen uns

pudelwohl. Ein schöner Tag, wie er besser nicht sein kann. Noch eine Schleuse und dann

biegen wir in Höhe km 279, oberhalb der Stadt Arles, über – Stb. von der Rhone in die

Petit Rhone ab. Wir befinden uns jetzt im Rhonedelta, im Herzen der Provence.

Der Maler van Gogh hat hier gelebt und viele berühmte Bilder geschaffen, die die Farben

und das Licht dieser einzigartigen Landschaft wieder spiegeln.

18 km fahren wir auf der Petit Rohne, deren Ufer von Pappeln und Weiden gesäumt sind

und finden oberhalb der  Schleuse St. Gilles einen ruhigen Liegeplatz.   3 Dalben mit einer

Brücke zum Land stehen dort in Höhe einer Aprikosenplantage.  Wir bleiben 3 Tage liegen

und erkunden mit den Rädern St. Gilles und die nähere Umgebung. Der Liegeplatz hat

gute und schlechte Eigenschaften.  Er bietet Ruhe und Erholung, ist aber auch staubig.

Bei  jedem Windzug legt sich feiner Staub aufs Schiff. Mücken gibt es reichlich und

zweimal pro Tag besucht uns ein Rudel Hunde, ein Rottweiler und 2 Dobermänner,

deren Auftrag es ist, die Aprikosen nebenan zu bewachen. Normalerweise sind sie

eingesperrt.  Morgens und abends aber fährt der Patron mit dem Auto vorneweg durch

die Plantage und die drei Bestien sondieren das Terrain.  Wenn sie zu nahe an unser

Schiff herankommen, randaliert unser Bordhund Tobi : “ Kommt her ihr Feiglinge,

ich mach euch fertig! “.  Mir wird jedes mal Angst und Bange angesichts der

Größenverhältnisse.  Zu meinem großen Erstaunen akzeptieren sie jedoch die

Warnungen Tobi`s und verschwinden wieder, ohne ihn gefressen zu haben.

 

 

Durch die Schleuse St. Gilles  gelangen wir nun in den Rhone a  Sete  Kanal und nach 32km

zur Stadt Aigues Mortes. Diese hat eine sehr beeindruckende und völlig erhaltene

Stadtmauer. Von hier aus starteten einst die  Kreuzzüge und es gibt viel zu sehen .

Ansonsten ist es laut und stinkig. Es gibt mehr Touristen als Einwohner.

Wir finden nur mühsam einen Liegeplatz.

Der Hafenmeister nimmt uns 35 Euro für eine Nacht ab.

 

 

 

Weiter gehts auf dem Rhone a   Sete  Kanal Richtung Westen.  Wir sind nun in der

Carmarque.  Viel Schilf und meterhohe Ginsterbüsche säumen die Ufer.

Das Sumpfland ringsum und die Hitze fördern das Wachstum enorm.

Leider gibt es aber auch reichlich Mücken und „Bremsen“.

Letztere so groß wie Nachtfalter.  Wenn man sich aufs Kajütdach stellt,  kann man mit

dem Fernglas in der Ferne schwarze Stiere und weiße Pferde beobachten,

die dort friedlich grasend umherziehen.  Flamingos sieht man ständig. 

Sie stehen in allen Tümpeln rechts und links vom Kanal oder fliegen am Abend in der

untergehenden Sonne von einem Rastplatz  zum anderen.  Ein schöner Anblick.

 

 

 

Wir erreichen bei km 55 die Kreuzung des Kanals mit dem Fluß Vidourle.

Große Sperrtore hängen in Stahl- und Betongerüsten über dem Kanal und werden

abgesenkt, wenn der Fluß Hochwasser führt und der Kanal geschützt werden muss.

Die Schifffahrt wird dann eingestellt.  Im weiteren Verlauf sieht man an BB gewaltige

Häuserreihen stehen.   Es sind die Bettenburgen der Touristenzentren, die sich wie

Perlen an einer Schnur, entlang der Mittelmeerküste aneinanderreihen.

Wir wollen nun endlich das Mittelmeer sehen und suchen einen Liegeplatz,

möglichst nah am Strand.  Wir passieren La Motte, km 62 und sind enttäuscht.

Kein Platz für uns.  Einige Male werden wir von Querströmungen erfasst.

Die Etang`s  rechts und links des Kanals haben zu viel Wasser und geben es an

mehreren Überläufen an den Kanal ab.

In Carnon sehen wir schöne Anlegemöglichkeiten in einem  Seitenarm.

Auch hier herrscht eine starke Querströmung, die ein Anlegen unmöglich macht.

In Palavas les Flots werden wir fündig.  Hinter der Kreuzung mit dem Fluß Lez,

bei km 75,  befindet sich eine Anlegestelle für Berufsschiffe.

Wir machen dort hinter einer Peniche  fest,  fahren mit den Rädern ins 2 km entfernte

Palavas und sehen endlich den weißen Strand und das blaue Wasser des Mittelmeeres.

Ein Etappenziel ist erreicht. Wir bleiben 20 Tage, verstecken uns tagsüber bei 35-40 °C

im Schatten und fahren abends, nach 18.00  Uhr, mit den Rädern zum Strand.

Vom Touristenrummel haben wir bald genug.  Die wunderschönen Sonnenaufgänge aber

und der immer blaue Himmel, das Barfuss laufen im weißen Sand, die erfrischenden

Bäder im Mittelmeer sowie die grandiosen Sonnenuntergänge sind uns unvergesslich.

 

Fortsetzung folgt                                                                                            

                      

Zurück zum Logbuch der  „SOLITAER“